Nanomedizin

Kleinste Teilchen - grosse Wirkung?

 

Die Nanotechnologie gilt als «Schlüsseltechnologie» des 21. Jahrhunderts. Mit Hilfe der Nanotechnologie dringt man in den Bereich einzelner Moleküle oder Atome vor. Ziel ist es, kleinste Strukturen zu erforschen und die Tatsache zu nutzen, dass Stoffe in dieser Dimension über neue Eigenschaften verfügen. Bereits befinden sich über 1'000 nanotechnologische Produkte auf dem Markt. Dazu zählen beschichtete Textilien, veredelte Oberflächen, Kosmetikprodukte oder Wundverbände. Auch mit dem Einsatz der Nanotechnologie in der Medizin werden grosse Hoffnungen verbunden. Krankheiten sollen besser behandelbar werden und damit der Pharmabranche zu noch grösserem Wachstum verhelfen.

Ein Beispiel für die hohen Erwartungen an die Nanotechnologie in der Medizin sind Therapien gegen Krebs. Neue Oberflächenbeschichtungen für Implantate (Prothesen, Gefässstützen) oder neue Materialien in der Dentaltechnik könnten auch die Verträglichkeit von Medizinprodukten und deren Haltbarkeit verbessern. Für die Wundheilung macht man sich die antibakterielle Wirkung von Nanosilber zu nutze. Von Nanotransportsystemen und kleinsten Diagnoseeinheiten verspricht man sich «revolutionäre Umwälzungen». Die meisten Vorhaben befinden sich aber noch im Stadium der Grundlagenforschung. Wieder weckt man grosse Hoffnungen. Dies erinnert an die Heilsversprechen der Gentechnologie und der regenerativen Medizin (Stammzellforschung), die dann in der Praxis die Erwartungen nicht annähernd erfüllen konnten. 

Risikopotenzial

Nanomaterialien wird ein hohes Risikopotenzial unterstellt. Verlässliche Aussagen sind schwierig, das toxikologische Risikopotenzial hängt von zu vielen Einflussfaktoren ab. Für eine Kennzeichnung fehlen bisher eine einheitliche Definition von Nanomaterialien und ein einheitliches Messverfahren.

Langzeitstudien liegen noch nicht vor. So sind etwa die Messtechniken nicht auf die neuen Materialien abgestimmt. Heute weiss man, dass etwa der massenhafte Einsatz von Silberpartikeln zur Sensibilisierung des Immunsystems führen kann. Kein Wunder, dass «Nanosilber» bereits als das «neue Asbest» bezeichnet wird.

Einige Studien zeigen die Gefahr von chronischen Entzündungen, vor allem in der Lunge. Schäden an anderen Geweben oder Organen werden nicht ausgeschlossen. Nano-Partikel werden vor allem eingeatmet, sie können aber auch durch die Nase direkt ins Gehirn dringen. Für nicht-abbaubare «Nanotransporter» wird empfohlen, aus Vorsorgegründen keine Zulassung zu erteilen. 

Forderungen

biorspect fordert Bund und Parteien auf, eine transparente Debatte ins Leben zu rufen. Es reicht nicht aus, bloss einen möglichen Nutzen der Nanotechnologie zu propagieren und so für Akzeptanz in der Gesellschaft zu sorgen. Die Debatte muss vielmehr jetzt stattfinden, nicht erst, wenn die Technologie breit eingesetzt wird. So kann der Gesetzgeber rechtzeitig abwägen, ob und welche Schranken er setzen muss.