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Burkina Faso

Burkina Faso kehrt Monsanto
den Rücken


Burkina Faso diente jahrelang als Vorzeigeland für Monsantos gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle. 2016 entschied der afrikanische Staat, sich vom Gentech-Baumwollanbau zurückzuziehen. Mitgeholfen hat der Widerstand lokaler Basisbewegungen.
 

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Vor zwei Jahren wurde in Burkina Faso noch auf rund 50 Prozent der Fläche gentechnisch veränderte Baumwolle angepflanzt. Heute ist die Bt-Baumwolle verpönt. Bild: fotolia.com

Die von Monsanto entwickelte Bt-Baumwolle wurde in Burkina Faso erstmals 2008 angepflanzt. Den Bauern war die Einführung aus politischen Gründen von oben angeordnet worden. Seit Jahren schon ist der Druck seitens der Agrarchemiekonzerne gross, gentechnisch veränderte Pflanzen in Afrika zu erlauben. In der Debatte über gentechnisch veränderte Organismen (GVO) wird regelmässig behauptet, Afrika brauche die Gentechnik, um den Hunger zu bekämpfen.

Leere Versprechen

Im Fall der Bt-Baumwolle versprach Monsanto den Bauern ein Drittel mehr Ertrag und einen sinkenden Pestizideinsatz. Die Baumwolle wurde als Wundermittel gegen Insektenfrass angepriesen. Doch das Bild vor Ort ist ein anderes, wie die Aktivistin Aline Zongo im Interview erzählt. Hauptgrund für den Rückzug Burkinas aus dem Gentech-Baumwollanbau war die schlechte Qualität der Bt-Baumwolle. Bereits während den ersten Jahren der Produktion stellten die Bauern fest, dass die Faserlänge- und ausbeute abnahm. Monsanto machte Wasserknappheit und andere wetterbedingte Faktoren dafür verantwortlich. Doch auch in den Folgejahren wurde es nicht besser. In der Saison 2013/2014 wurden mehr als zwei Drittel der Ernte als qualitativ minderwertig eingestuft. Dies ist für Burkina besonders dramatisch, da Westafrika im Gegensatz zu anderen Produzenten wie China und den USA schon immer auf qualitativ hochwertige Baumwolle setzte. 

Lokale Spezialität

Die lokalen burkinischen Baumwollvarianten sind das Ergebnis eines Zuchtprozesses, der schon unter der französischen Kolonialverwaltung begann. Dadurch und durch den Verzicht auf Maschinen beim Pflücken weist burkinische Baumwolle eine sehr hohe Faserlänge auf. Zudem fällt beim Entkernen der Ernte aus den Samenkapseln die Ausbeute höher aus. Bt-Baumwolle schneidet in beiden Aspekten weit schlechter ab. Neben den qualitativen Mängeln trug das Engagement von Nichtregierungsorganisationen wie Copagen zum Ausstieg aus der Gentech-Landwirtschaft bei.

Interview mit Aline Zongo

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Aline Zongo, Geschäftsleiterin der Copagen in Burkina Faso. Bild: Copagen.

Warum wird in Ihrem Land keine Bt-Baumwolle mehr angebaut? 

Der Hauptgrund war die schlechtere Faserqualität: Die Faserlänge verkürzte sich und die Farbe wurde blasser. Die mindere Qualität führte dazu, dass sich die burkinische Baumwolle auf dem internationalen Markt schlecht verkaufte. Auch die Erträge stiegen nicht wie versprochen, sondern nahmen sogar ab. Ausserdem wurden 2014, bereits sechs Jahre nach dem erstmaligen Anbau, die ersten Schadinsekten resistent. Dadurch waren die Bauern gezwungen, mindestens ebenso viel Insektizide einzusetzen wie mit den konventionellen Sorten. Unter dem Strich war der Anbau der Bt-Baumwolle ein grosses Verlustgeschäft für Bauern und Baumwollfirmen.

Wie ist die aktuelle Situation? 

Der Rückzug aus dem Gentechanbau war erfolgreich, die Bt-Baumwolle ist heute offiziell aus der Produktion verschwunden, während 2015 noch rund der Hälfte der Anbaufläche auf Bt-Baumwolle entfiel. Zum Glück war noch ausreichend Saatgut für die Umstellung vorhanden, da in den Jahren des Gentechanbaus immer ein Fünftel der Flächen mit traditionellem Saatgut bewirtschaftet wurden.

Hat Burkina Faso gelernt und wird zukünftig auf den Anbau von GV-Nutzpflanzen verzichten? 

Leider nein! Trotz diesen schlechten Erfahrungen wird in Forschungszentren weiterhin mit anderen gentechnischen Pflanzen experimentiert, darunter den drei Grundnahrungsmitteln Mais, Niébe-Bohnen und Hirse. Das ist sehr besorgniserregend, denn die gesundheitlichen Risiken für die Menschen sind bislang unzureichend geprüft. Hartnäckig hält sich das Argument, dass «Afrika die Gentechnik braucht, um den den Hunger zu bekämpfen».

Was ist Ihrer Ansicht nach nötig, um die Ernährungssicherheit in Burkina Faso zu erhöhen? 

Die multinationalen Konzerne, für die GVO in erster Linie ein grosses Geschäft sind, wollen die ganze Ernährungskette vom Samen bis auf den Teller kontrollieren. Das macht die Produzenten abhängig, sie verlieren ihre autonomen Produktionssysteme. Am stärksten von Hunger und Armut betroffen sind die Kleinbauern, die von der stark fortschreitenden Bodenzerstörung und dem Klimawandel direkt betroffen sind. Um die Ernährungssicherheit zu stärken, müssen diese kleinbäuerlichen Strukturen gestärkt werden. Dafür braucht weder Burkina noch ein anderes Land Afrikas Gentechnik!

Copagen: Aktiv gegen Monsanto

Copagen ist eine Koalition verschiedener Organisationen, die sich für den Schutz des genetischen Erbes in Afrika einsetzt und in den meisten westafrikanischen Ländern tätig ist. Copagen informiert, sensibilisiert und trägt zur öffentlichen Meinungsbildung über die Auswirkungen des GVO-Anbaus bei. Ausserdem entwickelt der Verband alternative Lösungsansätze, um die genetischen Ressourcen zu schützen. In Burkina Faso wurde Copagen aktiv, als Monsanto 2003 mit der Entwicklung der Bt-Baumwolle begann. Aline Zongo wird in ihrer Arbeit unterstützt von der Organisation Swissaid.

Mehr Info zu Copagen

Daten und Fakten zur Bt-Baumwolle

Bt-Baumwolle

Weltweit werden jährlich etwa 25 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet, vor allem in China, Indien und den USA. 2015 entfielen 78 Prozent der globalen Produktion auf genetisch veränderte Sorten, das meiste davon auf Saatgut mit dem von Monsanto patentierten Bt-Gen. Es stammt vom Bakterium Bacillus thuringiensis, das auf natürliche Weise ein Gift produziert, das für viele Insektenlarven tödlich ist. Durch das Einschleusen der entsprechenden Gensequenz in Baumwollpflanzen erhalten sie dieselbe Eigenschaft und können sich so gegen ihre wichtigsten Schädlinge zu Wehr setzen. Erfahrungen in verschiedenen Weltregionen, so auch in Burkina Faso, haben jedoch gezeigt, dass die Resistenzbildung bei den Schadinsekten sehr rasch erfolgen kann. 

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Ein durch Insektenfrass stark geschädigtes Baumwollfeld in Burkina Faso. Durch die Ausbildung von Resistenzen bei den Schädlingen hat die Bt-Baumwolle ihre Wirkung längst verloren. Bild: Copagen.