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Mais

Mais: Vielfalt geht verloren

 

In vielen Ländern Afrikas und Südamerikas ist Mais das wichtigste Nahrungsmittel. Jetzt wächst in Afrika der Druck, angeblich trockentoleranten Gentechmais zuzulassen. In Mexiko ist die Kontamination der lokalen Sorten längst Realität. biorespect warnt vor dem Verlust des Sortenreichtums und lanciert einen Kurzfilm zum Thema.

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Die Kulturpflanze Mais ist für die Welternährung zentral. Auch wenn ein Grossteil der weltweiten Maisernte als Tierfutter in der Fleischproduktion für Industrienationen landet, bleibt Mais in vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas das Grundnahrungsmittel Nummer eins. 2014 wurde weltweit über eine Milliarde Tonnen Mais auf einer Fläche von fast 185 Millionen Hektaren geerntet. Im letzten Jahr war rund ein Viertel der weltweiten Maisproduktion gentechnisch verändert (GV). Die wichtigsten Anbauländer sind die USA, Brasilien, Argentinien, Südafrika und Kanada.

Gentech-Einfalt

Bisher dominierten zwei Eigenschaften den gv-Maismarkt: Die Herbizidresistenz und die Schädlingsresistenz durch die pflanzeneigene Produktion von Bt-Toxinen. Der Grossteil des 2016 angebauten gv-Maises trug beide gentechnischen Veränderungen in sich. Im Hinblick auf die gehäuften Dürren als Folge der Klimaerwärmung wird jedoch seit einigen Jahren verstärkt an der Entwicklung von trockentoleranten Maissorten geforscht. 2011 wurde erstmals ein solcher gv-Mais (MON87460), das Resultat einer Zusammenarbeit von Monsanto und BASF, in den USA zugelassen. Aktuell wächst in Afrika der Druck, angeblich trockentoleranten Mais zuzulassen.

Gentech in Afrika auf dem Vormarsch

In Afrika wird die Not vieler Länder ausgenutzt, um den Einsatz der Gentechnik zu legitimieren. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt «Water efficient maize for Africa» (WEMA), das gemeinsam von Monsanto sowie der Bill und Melinda Gates-Stiftung betrieben wird. Die zunehmende Dürre der letzten Jahre wird als Druckmittel verwendet, um bestehende Biosicherheitsgesetze zu lockern und den Weg für die Markteinführung von GV-Pflanzen zu ebnen. Der Druck zeigt Wirkung: Südafrika hat im vergangenen Jahr als erstes Land Afrikas den «WEMA-Mais» für den kommerziellen Anbau zugelassen. In Kenia, Mozambique, Tansania und Uganda laufen Feldversuche. Doch der Erfolg der Gentechnik ist in der Entwicklung der Trockenheitstoleranz höchst umstritten. Denn für die Fähigkeit von Pflanzen, längere Trockenperioden zu überstehen, sind zahlreiche Gene und ihre untereinander wechselwirkenden Genprodukte verantwortlich – ein komplexes Zusammenspiel, das die Gentechnik überfordert.

Aktueller Beitrag zum Thema vom African Centre for Biodiversity: The water efficient maize for Africa (WEMA) project: Real or false solution to climate change?...

Gentech-Mais vor erneuter Zulassung in der EU

Derzeit darf nur der transgene Mais MON810 in der EU angebaut werden, welcher bereits 1998 für den kommerziellen Anbau zugelassen wurde. Die offizielle Zulassung ist jedoch schon vor Jahren ausgelaufen und er ist in 17 EU-Ländern ausdrücklich verboten. Er wird auf weniger als einem Prozent der EU-Ackerfläche angebaut, mehrheitlich in Spanien, wo er auf rund 100'000 ha wächst. Weitere EU-Anbauländer sind Portugal, Rumänien, die Slowakei und die Tschechische Republik.

Aktuell wird in der EU erneut über die Zulassung dreier Varianten von Insektengift produzierendem Mais  diskutiert. Konkret geht es um die Wiederzulassung von MON810 und um die Erstzulassung der Sorten Bt11 von Syngenta und 1507 von DuPont und Dow (letztere zwei sind ausserdem resistent gegenüber dem Herbizid Glufosinat). Gemäss einem Bericht von TESTBIOTECH soll ausserdem eine weiterer Gentechmais der Firma Syngenta in der Pipeline stehen, welcher gegen Glyphosat resistent gemacht wurde (registriert unter dem Kürzel GA21). Anfang 2017 blieb eine Abstimmung im EU-Berufungsausschuss ohne Mehrheit für oder gegen die Anbauzulassung. Der Entscheid liegt nun bei der EU-Kommission.