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Fortpflanzung

Fortpflanzung um jeden Preis?

 

Nicht immer gelingt die gewünschte Reproduktion auf natürlichem Weg. Die In-vitro-Fertilisation gilt als etabliertes Verfahren. So hat sich die Vorstellung einer scheinbar grenzenlosen, technischen Machbarkeit durchgesetzt. Der Embryo steht durch die technischen Verfahren in-vitro zur Verfügung und auf dem Prüfstand. Dies gilt auch im Bereich der pränatalen Diagnostik

Technische Fortpflanzungsverfahren aber sind nicht risikolos: Von der Hormonbehandlung für Frauen bis hin zum Herz-Kreislaufrisiko für so gezeugte Kinder werden die Risiken der Verfahren meist unter den Tisch gekehrt. Eine ausführliche und Aufklärung und Beratung der Betroffenen ist essentiell. In der Praxis lässt die umfassende Information zu wünschen übrig. 

Die Lobby drängt auf die Zulassung weiterer technischer Verfahren. Das Fortpflanzungsmedizingesetz wird entsprechend den Wünschen der Anbieter immer wieder aufs Neue angepasst. Individuelle Risiken und gesellschaftliche Auswirkungen werden ausgeblendet.

Die ethisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) kann nun auch in der Schweiz durchgeführt werden. Zu weiteren Wunschverfahren der Reproduktionsmedizin gehören die Eizellenspende und die Mietmutterschaft. Individuelle Risiken und gesellschaftliche Auswirkungen werden ausgeblendet. 

Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz

Die Schweizerische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin SGRM weist aktuell 30 Zentren aus, universitäre und privat geführte, die im Bereich der künstlichen Befruchtung tätig sind. Über die Arbeitsgruppe FIVNAT werden regelmässig Statistiken veröffentlicht. Den Dokumentationen sind die Behandlungszahlen sowie die Geburtenraten aus künstlicher Befruchtung zu entnehmen. Im Jahr 2016 unterzogen sich etwa 6000 Frauen einer künstlichen Befruchtung. Nach ca. 11.000 Behandlungszyklen wurden 2154 Kinder geboren. Die Geburtenrate liegt seit mehreren Jahren durchschnittlich zwischen 20 und 30%. Sie ist von mehreren Faktoren abhängig. So spielt das Alter der Frau eine Rolle. Aber auch die Art des Verfahrens ist von Bedeutung. So haben Befruchtungen mittels eingefrorener Eizellen meist geringerere Chancen auf Weiterentwicklung (Nähere Angaben zur Statistik siehe Seitenspalte).

Die Verfahren sind teuer: Für einen Behandlungszyklus müssen zwischen 6000 und 10.000 Franken auf den Tisch geblättert werden. Die Krankenkassen übernehmen nur die zu Grunde liegende Eingangsuntersuchung sowie teilweise die Kosten für die Hormonbehandlung. In der Regel sind 3 Zyklen für eine Schwangerschaft nötig - eine kostspielige Angelegenheit. 

Als Bewilligungsbehörde der Zentren fungieren die jeweiligen kantonalen Gesundheitsämter, die auch regelmässige Verlaufskontrollen durchführen sollen, um die Einhaltung der Vorschriften aus dem Fortpflanzungsmedizingesetz durch die Zentren zu überprüfen. Ein besonderes Manko stellt die Aufklärung und Beratung, die gem. Art. 6 FMedG auch die Risiken des Verfahrens beinhalten muss, dar. biorespect hat aus gegebenem Anlass eine Recherche durchgeführt. Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend. So überprüfen die Ämter stichprobenartig zwar, ob eine Aufklärung stattgefunden hat. Die Qualität und der Inhalt der Information wird nicht geprüft. Die öffentlich zugängigen Informationsmaterialien der jeweiligen Reprozentren verweisen nur sehr vage auf die inherenten Risiken der künstlichen Befruchtung. 

Risiken und Nebenwirkungen

Technische Fortpflanzungsverfahren sind nicht risikolos. 

Risiken für Frauen

Das Prozedere einer IVF (In-vitro-Fertilisation) kann für alle Beteiligten psychisch belastend sein. Für Frauen bestehen diverse weitere physische Risiken. Für eine künstliche Befruchtung braucht es mehrere reife Eizellen. Frauen müssen sich daher einer Hormonbehandlung unterziehen. Auch wenn heutzutage versucht wird, die Hormongaben so gering wie möglich zu halten, so sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. In etwa 30 Prozent der Fälle kommt es zum Überstimulationssyndrom, das in 1-5% zu schweren Nebenwirkungen, wie Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum, Atemnot, Vergrösserung der Eierstöcke, Leberfunktionsstörungen und in seltenen Fällen zum Tod führen kann. Die Entnahme der Eizellen erfolgt durch einen invasiven Eingriff und ist daher nicht risikolos. Es kann, wie bei jedem Eingriff, zu Entzündungen oder Verletzungen kommen. Um die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung zu erhöhen, werden soviel Eizellen wie möglich entnommen,  meist ein Dutzend oder mehr. 

Risiken für Frauen und Kinder

Das Risiko einer Fehlgeburt ist nach einer künstlichen Befruchtung doppelt so hoch wie nach einer spontanen Befruchtung. Das Geburtsgewicht im Reagenzglas gezeugter Kinder ist im Durchschnitt niedriger und sie weisen ein höheres Fehlbildungsrisiko auf. Die Frühgeburtenrate ist höher und die Kidner weisen ein geringeres Geburtsgewicht auf. Zudem stehen die Verfahren der künstlichen Befruchtung in Verdacht, Krebs zu begünstigen sowie die kognitive Entwicklung im Kindesalter zu beeinträchtigen. Neuere Studien attestieren den Kindern in späteren Jahren eine erhöhte Anfälligkeit für Herz-Kreislauferkrankungen. Ein Nebeneffekt bei der künstlichen Befruchtung ist die Häufung von Mehrlingsschwangerschaften. Die internationale Tendenz zeigt, dass möglichst nur noch ein Embryo übertragen wird, so dass dieses Risiko künftig gesenkt werden könnte. Zur Zeit werden häufig  zwei Embryonen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Mehrlingschwangerschaften sind mit einem höheren Schwangerschafts- und Geburtsrisiko verbunden, sie haben häufig ein geringeres Geburtsgewicht und die Entwicklung kann verzögert sein. 

Aufklärung nötig

Eine ausführliche umfassende Aufklärung über mögliche Risiken der Verfahren ist essentiell. Ob diese nicht-direktive Aufklärung durch die Reprozentren selbst geleistet werden kann und wird, ist fraglich.  Eine freie Entscheidung für oder gegen ein Verfahren kann jedoch nur durch eine ausreichende Information über Nutzen und Risiken eines Verfahrens erfolgen. Frauen und Paare haben ein Anrecht auf umfassende Aufklärung auch über Risiken. Eine freie Entscheidung für oder gegen ein Verfahren kann nur durch eine ausreichende Information über Nutzen und Risiken eines Verfahrens erfolgen. Eine neutrale Beratung können nur unabhängige Beratungsstellen leisten.