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Landmais

Vielfalt bringt Farbe

 

Die genetische Vielfalt von Mais ist durch leistungsstarke Hybrid- und gentechnisch veränderte Sorten weltweit stark in Bedrängnis. Einen lokalen Gegenpol zu dieser Entwicklung schafft der Verein Landmais, der seit 2011 in der Nähe von Bern alte Landmaissorten anbaut. Auch biorespect findet: «Wir brauchen mehr Vielfalt» und unterstützt das Projekt nun bereits im dritten Jahr.

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Bild: Verein Landmais

Landmaissorten in ihrer ganzen Farbenpracht. Lust, mal grünen Mais zu probieren?

Der Verein Landmais hat sich zum Ziel gesetzt, eine Vielfalt alter und unbekannter Landmaissorten zu erhalten, weiterzuentwickeln und deren Wert für die Nischenproduktion aufzeigen. Denn Philipp Meyer ist überzeugt, dass Landmaissorten durchaus mit Hybridsorten mithalten können, insbesondere wenn mehr in ihre Züchtung investiert würde.

Landmais liefert Saatgut

In Hybridmaissorten ist nur ein kleines Spektrum an genetischer Vielfalt enthalten, da nur wenige Maissorten als Grundlage für deren Züchtung verwendet wurden. Der Anbau traditioneller Landsorten hingegen trägt dazu bei, die Vielfalt zu erhöhen. Und er garantiert, dass sich die Sorten an die sich verändernde Umwelt anpassen können – gerade angesichts des Klimawandels ist das ein sehr wichtiger Prozess. Hinsichtlich der steigenden Anforderungen an die zukünftige Ernährungssicherheit wird die Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen immer wichtiger. Dazu kommt, dass Landmaissorten als sogenannte Populationssorten das Saatgut für die folgenden Anbaujahre liefern. Die Sorteneigenschaften des Hybridmaises hingegen sind nur eine Generation lang stabil. Das Saatgut muss jährlich gekauft werden und lässt die Kassen der Saatgutmultis klingeln.

GV bedroht alte Sorten

Aus dem südlichen Mexiko stammend, gehört der Mais heute weltweit zu den bedeutendsten Nutzpflanzen und ist nach Soja die zweithäufigste gentechnisch veränderte Pflanze. 2016 betrug der gv-Anteil 26 Prozent des weltweiten Maisanbaus und nahm eine Fläche von rund 60 Mio Hektaren ein. In Mexiko ist der Anbau von gv-Mais zwar verboten, nicht aber dessen Import.

Mehr zum Projekt Landmais und zur Bestellung von Landmaisprodukten unter: www.landmais.ch

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Wie in alten Zeiten – der Anbau der grünen Maissorte für die Saatgutgewinnung erfolgt 2019 auf einer seperaten Fläche mit Ross und Wagen. 

Für mehr Maisvielfalt - biorespect engagiert sich auch im 2019!

Der Verein Landmais treibt den Anbau der Landmaissorte Oaxacan Green auch im laufenden Jahr weiter voran. Um die Sortenerhaltung einfacher zu gestalten, baut Philipp Meyer den grünen Mais für die Saatgutgewinnung ab Mai auf einem separaten Feld in der Gemeinde Oberbalm in der Nähe von Bern an. So kann eine Vermischung mit anderen Maissorten besser verhindert werden. Der Anbau für die Produktion von Maismehl und Polenta soll weiterhin in Belp erfolgen.

Der Landwirt und Eigentümer der Saatgut-Fläche führt die Bodenbearbeitung und den erforderlichen Hackdurchgang mit Ross und Wagen durch. biorespect ist begeistert und übernimmt einen Teil der anfallenden Kosten. Machen Sie mit und unterstützen uns mit einer Spende? Alle Spenden ab 100 Franken, die bis zum 15. Juni 2019 bei uns eingehen, werden mit einem Päckli Landmaisgriess verdankt.

Philipp Meyer über seine Motivation, Mais zu züchten

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Philipp Meyer auf seinem Maisfeld, wo er auch im 2017 wieder verschiedene Landmaissorten anbaut. Bild: Philipp Meyer, Verein Landmais.

«Während des Agronomiestudiums wurde mir bewusst, dass Mais gar nicht gelb sein muss. Mit dieser Erkenntnis fing ich an, im Garten einige Sorten anzubauen und fand einen Erhalter von alten Landmaissorten, der mich mit allerlei Sorten belieferte.

Die heute vorherrschende Meinung in der Forschung und Praxis ist, dass Landmaissorten für den maschinellen Anbau ungeeignet sind. In einem Ertragsvergleich im 2014 konnte ich zeigen, dass bestimmte Sorten das Niveau von Hybridmaissorten erreichen oder sogar übertreffen. Meine Motivation ist es nun, geeignete Sorten zu finden und den Wert für eine Nischenproduktion aufzuzeigen. Über ein gut verkauftes Produkt kann eine Sorte nachhaltig erhalten werden. Begrenzender Faktor ist oft das Saatgut, von dem es, wenn überhaupt, meist lediglich Kleinstmengen zu kaufen gibt. Wir engagieren uns dafür, dass von einigen Sorten Saatgutmengen vorhanden sind, die für einen ersten maschinellen Anbau ausreichen.

Die Kultur Mais fasziniert mich vor allem aufgrund ihres unglaublichen Wachstums: In vier bis fünf Monaten wächst aus einem Korn eine bis mehrere Meter hohe Pflanze. Ohne es vorher zu wissen, fand ich eine schier endlose Vielfalt an Farben und Formen vor».

 

Das Maisjahr 2017

Oktober: Grüner Mais erfolgreich geerntet

Im Oktober 2017 konnte Philipp Meyer von landmais.ch auf der Erhaltungsfläche 45 kg ernten - eine ausreichende Menge Saatgut für den erwerbsmässigen, maschinellen Anbau im kommenden Jahr. Der Erhalt der Sorte Oaxacan Green ist somit gelungen. Auch der erwerbsmässige Anbau der Sorte, welcher im 2017 auf einer Fläche von rund 20 Aren erfolgte, verlief zufriedenstellend. 1.2 Tonnen grüner Mais konnte geerntet werden, dies entspricht einem Hektarertrag von rund 6 Tonnen. Ertragsmindernd war die relativ tiefe Bestandesdichte und der Verlust durch die Pilzkrankheit Maisbeulenbrand. Philipp Meyer ist mit dem Resultat zufrieden. Besonders freut ihn die gute Qualität des geernteten Maises: Die Körner weisen insgesamt eine schöne grüne Farbe auf, so dass das gewünschte Produkt, der grüne Maisgriess, hergestellt werden kann.

Juli: Kontrollierte Bestäubung

Die meisten Sorten stehen bereits voll in der Blüte. Da die Bestäubung von Hand erfolgt, ist diese Phase der Maiszüchtung sehr zeitintensiv. Es gilt zu verhindern, dass der Wind eine zufällige Bestäubung durchführt und es zu Kreuzungen verschiedener Sorten kommt.

Juni: Erstes Fazit der Saat

Die Nachsaat hat sich gelohnt: Von den meisten Sorten stehen nun schöne Jungpflanzen in den Zeilen. Von der Sorte Oaxacan Green enthalten 4 von 6 gesäten Zeilen viele Pflanzen. Die Pflanzen der restlichen 2 Zeilen wurden erneut von den Raben gefressen. Aufgrund des trockenen Juniwetter wurden die Maispflanzen am 20. und 21. Juni bewässert. 

Mai: Auch Raben lieben Mais!

Als Philipp Meyer das Auflaufen der Saat kontrollierte, fand er Schäden auf 50% der Flächen vor - die Raben haben einen Grossteil der Saat bzw. der jungen Maispflanzen gefressen. Um den Schaden zu begrenzen, hat er bei 4 Sorten, u.a. auch bei der von biorespect unterstüzten Sorte Oaxacan Green, eine Nachsaat gemacht.

April: Der Mais wird gesät

Ende April war es endlich soweit: Nachdem das Wetter wochenlang Kapriolen gemacht hatte, konnte der Mais endlich gesät werden! Die Parzelle war bereits im Herbst gepflügt worden. Am Tag der Saat wurde der Boden aufgelockert und Gräser und Kräuter ausgerissen. In einem Abstand von ca. 16 cm wurden die Körner von Hand etwa 4 cm tief in den Boden gesetzt. Auf dem knapp 5 Meter breiten und 100 Meter langen Feld säte Philipp Meyer 4'000 Körner von 8 verschiedenen Sorten aus. 

Saatgut dreier Sorten:

 Saatgut Baspinar Kopie.JPG  Saatgut Plata Kopie.JPG  Saatgut Morado Kopie.JPG

Sorte Baspinar           Sorte Plata               Sorte Morado

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