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Swasiland

Kampf gegen Gentech-Baumwolle in Swaziland

 

Das südafrikanische Swaziland steht unter Druck, gentechnisch veränderte Baumwolle für den kommerziellen Anbau zuzulassen. Die lokale Netzwerkorganisation PELUM kämpft bisher erfolgreich dagegen an. 2018 lanciert sie mit der Unterstützung von biorespect eine Aufklärungskampagne.

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Tsakasile Dlamini, Geschäftsführerin von PELUM (Mitte mit Baumwollpflanze), im Gespräch mit BäuerInnen (Bild: EcoSolidar).

Die Gentech-Industrie sucht neue Absatzmärkte und fokussiert immer mehr auf Afrika. Der Kontinent mit seiner stark kleinbäuerlich geprägten Landwirtschaft gilt als wichtiger Zukunftsmarkt. Baumwolle dient bei der Erschliessung neuer Länder für den Gentech-Anbau als Türöffner und soll nach Südafrika, Burkina Faso und dem Sudan nun auch in Swaziland angebaut werden. Der Baumwollsektor des kleinen Landes schrumpft aufgrund langanhaltender Dürren und den zunehmenden Kosten für Schädlingsbekämpfung. GV-Baumwolle wird als Rettung angepriesen.

Aufklärung ist zentral

Über die Gefahren eines Anbaus von GV-Baumwolle sind die KleinbäuerInnen meist nur unzureichend informiert. Tsakasile Dlamini, Geschäftsführerin von PELUM (Participatory Ecological Land Use Management in Swaziland), kämpft gegen die Zulassung gentechnisch veränderter Baumwolle in Swaziland. PELUM umfasst zwölf Non-Profit-Organisationen und fördert die ökologische Landwirtschaft. Zentral dabei ist die Aufklärung. Seit Anfang 2018 läuft mit der Unterstützung von biorespect eine entsprechende Kampagne.

Interview mit Tsakasile Dlamini

Wie klären Sie die KleinbäuerInnen auf?

Wir haben das Handbuch «Introduction to GMO’s and biosafety» erarbeitet und am 13. März alle 36 Angestellten unserer Mitgliederorganisationen an einem Workshop über die Gefahren und Konsequenzen des GV-Anbaus geschult. Die Mitgliederorganisationen reisen aktuell in die Dörfer der Anbaugebiete und suchen den Dialog mit rund 1800 BaumwollbäuerInnen. Ausserdem planen wir eine öffentliche Veranstaltung an der Universität im Juni.

Wie waren die bisherigen Reaktionen der BäuerInnen?

Sie sind vor allem darüber schockiert, dass der GV-Anbau ihre Tradition der Saatgutaufbewahrung und des Tauschs bedroht. Ausserdem sind sie besorgt über mögliche gesundheitliche Auswirkungen des GV-Anbaus. Wir mussten aber auch realisieren, dass eine verständliche Kommunikation über ein solch komplexes Thema eine Herausforderung ist. Viele GesprächspartnerInnen kennen beispielsweise den Unterschied zwischen Hybriden und GV-Pflanzen nicht. Das zeigt, wie wichtig die Bemühungen zur Aufklärung sind. So können die BäuerInnen die nötigen Kompetenzen erlangen, um sich an der Diskussion zu beteiligen und für ihre Werte einzustehen.

Was war der bisher grösste Erfolg von PELUM?

2017 wurden zwei Anträge für eine Zulassung von GV-Baumwolle eingereicht. Wir reagierten letztes Jahr mit einer Petition. Diese verlangt von der zuständigen Behörde, jegliche Verwendung von Gentechnik im Anbau und in Lebensmitteln sofort zu stoppen. Ausserdem haben wir im September eine Demonstration in der Hauptstadt Mbabane organisiert. Unser Engagement führte dazu, dass ein Antrag zurückgezogen und die Entscheidung der zuständigen Behörde zum zweiten Antrag aufgeschoben wurde. So konnten wir 2017 den Anbau verhindern und hoffen, dass uns das auch 2018 wieder gelingt – unter anderem dank der Unterstützung von biorespect.

 

Swaziland Cotton Board

Swazilands Baumwollsektor wird grösstenteils vom «Swaziland Cotton Board (SCB)» kontrolliert, das in seiner Monopolstellung auch für den Vertrieb des Saatguts und für die Vergabe von Krediten verantwortlich ist. Durch die Verknüpfung der Kreditaufnahme an ein Ankaufsrecht sichert sich das SCB ausserdem die gesamte Ernte. Seit einigen Jahren propagiert das SCB den Einsatz von GV-Baumwolle und lobbyiert mit «Informationsreisen» für Parlamentarier nach Indien und Südafrika, um sie von den Vorzügen der GV-Baumwolle zu überzeugen. Nach Freisetzungsversuchen 2016 reichte das SCB 2017 einen Antrag für die kommerzielle Zulassung bei der zuständigen Umweltbehörde ein. Bei der beantragten Sorte handelt es sich um eine Entwicklung der indischen Saatgutfirma Agri Genetics, an der auch Mahyco Monsanto Biotech (India) beteiligt ist. Die verwendete Technologie gilt bereits als veraltet und wurde in Südafrika aufgrund des vermehrt aufgetretenen Schädlingsbefalls wieder aufgegeben. Aufgrund lückenhafter Dokumente fehlt eine Risikoüberprüfung. Die Öffentlichkeit wurde nur unzureichend informiert. Wann der Entscheid für einen Anbau der Bt-Baumwolle fallen wird, ist noch offen.

 

GV-Baumwolle führt zu Verschuldung

Die Bt-Baumwolle stellt im Kontext der anhaltendenden Dürre und den Problemen mit der Schädlingsbekämpfung nicht die Rettung dar. Im Gegenteil: Sie weist, insbesondere für die KleinbäuerInnen ein hohes Verschuldungspotential auf. Denn die Bt-Baumwolle ist nicht Trockheitstoleranter als konventionelle Sorten und kann durch die pflanzeneigene Produktion von Bt-Toxinen bestenfalls eine Zeitlang ihre Zielschädlinge abwehren. Währenddessen erobern aber sekundäre Schädlinge die Felder. Sie sind von Natur aus resistent gegen Bt-Toxine und profitieren von der Schwächung der Zielschädlinge. Das macht den erneuten Einsatz von Pestiziden notwendig, oftmals sogar in noch grösseren Mengen als vorher. Als Folge bleiben die versprochenen Kosteneinsparungen aus und die Produktionskosten steigen weiter an. Nicht nur aus Indien ist die Verschuldung als Folge der Einführung von Bt-Baumwolle bekannt, auch das Nachbarland Südafrika ist davon betroffen. Die KleinbäuerInnen sind durch die hohen Investitionskosten gezwungen, Kredite aufzunehmen. Bleibt der versprochene, höhere Ertrag aus, können sie das geliehene Geld weder zurückzahlen noch Saatgut für die folgende Saison kaufen. Statt zu helfen, gefährdet der GV-Anbau also die Existenz von KleinbäuerInnen.