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eSwatini (Swalisand)

Gentechfreie, ökologische Landwirtschaft für Eswatini

 

Im Mai 2018 gab die zuständige Behörde in Eswatini (ehem. Swasiland) grünes Licht für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle. In der Anbausaison 18/19 kultiviert die Nisela Farm ganz im Osten des Landes Bt-Baumwolle auf rund 100ha an. Die lokale Netzwerkorganisation PELUM engagiert sich gegen den GV-Anbau und informiert die betroffenen KleinbäuerInnen über die Risiken. biorespect unterstützt PELUM dabei und war im Februar 2019 vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Mehr dazu im Kurzbericht.

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Tsakasile Dlamini, Geschäftsführerin von PELUM (Mitte mit Baumwollpflanze), im Gespräch mit BäuerInnen (Bild: EcoSolidar).

Gentech-Industrie greift nach Afrika

Die Gentech-Industrie sucht neue Absatzmärkte und fokussiert immer mehr auf Afrika. Der Kontinent mit seiner stark kleinbäuerlich geprägten Landwirtschaft gilt als wichtiger Zukunftsmarkt. Bt-Baumwolle dient bei der Erschliessung neuer Länder für den Gentech-Anbau als Türöffner und soll nach Südafrika, Burkina Faso und dem Sudan nun auch in Eswatini angebaut werden. Der Baumwollsektor des kleinen Landes schrumpft aufgrund langanhaltender Dürren und den zunehmenden Kosten für Schädlingsbekämpfung. Gv-Baumwolle wird als Rettung angepriesen.

Aufklärung ist zentral

Die Informationskampagne in 2018 hat gezeigt, dass die betroffene Gruppe der KleinbäuerInnen über die potentiellen Risiken und möglichen Konsequenzen des Anbaus von gentechnisch veränderten Sorten im Ungewissen gelassen wird. Es fehlt an sachlicher Information, um den Betroffenen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen, ob sie diese neue Technologie anwenden wollen oder nicht. Die Informationen kommen fast ausschliesslich von der Seite der Industrie.

Tsakasile Dlamini, Geschäftsführerin von PELUM (Participatory Ecological Land Use Management in Eswatini) engagiert sich für den Einsatz von alternativen agrarökologischen Methoden, die es den KleinbäuerInnen ermöglichen, unabhängig von teurem Saatgut und Pestiziden ihre Lebensgrundlagen zu verbessern. Im Interview erzählt sie von den Resultaten der Kampagne im 2018 und von den geplanten Massnahmen im 2019/20.

Für die geplanten Massnahmen im 2019/20 laufen aktuell Finanzierungsanfragen bei Schweizer Stiftungen. biorespect wird hier über den weiteren Verlauf informieren.

Projektbesuch Februar 2019 - Ein Kurzbericht

Interview mit Tsakasile Dlamini, Juni 2018

Was konnte mit der Informationskampagne in 2018 erreicht werden?

Mit der Erarbeitung des Handbuches «Introduction to GMO’s and biosafety» wurde die Grundlage für Massnahmen zur Schulung und Kompetenzbildung gelegt. Rund 30 Angestellte der PELUM-Mitgliederorganisation wurden geschult und haben ihr Wissen in «Community Dialogues» an über 3'000 KleinbäuerInnen weitergegeben.

Wie waren die bisherigen Reaktionen der BäuerInnen?

Ihr Interesse an der Thematik und das Bedürfnis nach Information ist sehr gross. Darüberhinaus sind sie schockiert zu hören, dass der gv-Anbau die Tradition der Saatgutaufbewahrung und des Tausches bedroht und die lokale Biodiversität gefährdet. Ausserdem sind sie besorgt über mögliche gesundheitliche Auswirkungen des gv-Anbaus. Wir mussten aber auch realisieren, dass eine verständliche Kommunikation über ein solch komplexes Thema eine Herausforderung ist. Viele GesprächspartnerInnen kennen beispielsweise den Unterschied zwischen Hybriden und gv-Pflanzen nicht. Das zeigt, wie wichtig entsprechende Schulungs- und Informationsmassnahmen sind. Nur so können die BäuerInnen die nötigen Kompetenzen erlangen, um sich an der Diskussion zu beteiligen und für ihre Werte einzustehen.

Was ist für die Jahre 2019/20 geplant?

Wir sind dankbar, dass biorespect bereit ist, uns weiterhin zu unterstützen und haben für das 2019/20 ein Massnahmenpaket erarbeitet. Dieses enthält eine Weiterführung und Intensivierung der Schulungsarbeit und Kompetenzbildung, eine Reihe von Massnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der politischen EntscheidungsträgerInnen (u.a. mit einer wöchentlichen Radiosendung) und das «Pilotprojekt Biologische Baumwolle». Das Pilotprojekt würde es uns erlauben, Erfahrungen im Anbau von biologischer Baumwolle zu sammeln und die Resultate daraus in die politische Diskussion zur Förderung von agrarökologischen Methoden einfliessen zu lassen. Wir hoffen auf erfolgreiche Finanzierung durch Schweizer Stiftungen.

Kampagne «Creating Public Awareness on GMO’s and Biosafety»

Swaziland Cotton Board

Swazilands Baumwollsektor wird grösstenteils vom «Swaziland Cotton Board (SCB)» kontrolliert, das in seiner Monopolstellung auch für den Vertrieb des Saatguts und für die Vergabe von Krediten verantwortlich ist. Durch die Verknüpfung der Kreditaufnahme an ein Ankaufsrecht sichert sich das SCB die gesamte Ernte. Seit einigen Jahren propagiert das SCB den Einsatz von gv-Baumwolle und lobbyiert mit «Informationsreisen» für ParlamentarierInnen nach Indien und Südafrika, um sie von den Vorzügen der gv-Baumwolle zu überzeugen. Nach Freisetzungsversuchen 2016 reichte das SCB 2017 einen Antrag für die kommerzielle Zulassung bei der zuständigen Umweltbehörde ein. Bei der beantragten Sorte handelt es sich um eine Entwicklung der indischen Saatgutfirma Agri Genetics, an der auch Mahyco Monsanto Biotech (India) beteiligt ist. Die verwendete Technologie gilt als veraltet und die damit hergestellten Sorten wurden in Südafrika aufgrund des vermehrt aufgetretenen Schädlingsbefalls wieder aufgegeben. Aufgrund lückenhafter Dokumente fehlt eine Risikoüberprüfung. Die Öffentlichkeit wurde nur unzureichend informiert. Dem Antrag des SCB für die kommerzielle Zulassung wurde im Mai 2018 zugestimmt.

 

Gv-Baumwolle führt zu Verschuldung

Die Bt-Baumwolle stellt im Kontext der anhaltendenden Dürre und den Problemen mit der Schädlingsbekämpfung nicht die «Rettung» dar. Im Gegenteil: Sie weist für die KleinbäuerInnen ein hohes Verschuldungspotential auf. Die Bt-Baumwolle ist nicht trockenheitstoleranter als konventionelle Sorten und kann durch die pflanzeneigene Produktion von Bt-Toxinen bestenfalls eine kurze Zeit lang Zielschädlinge abwehren. Währenddessen erobern auch sekundäre Schädlinge die Felder. Sie sind von Natur aus resistent gegen Bt-Toxine und profitieren von der Schwächung der Zielschädlinge. Das macht den erneuten Einsatz von Pestiziden notwendig, meist in noch grösseren Mengen als vorher. Die versprochenen Kosteneinsparungen bleiben aus und die Produktionskosten steigen weiter an. Nicht nur aus Indien ist die Verschuldung als Folge der Einführung von Bt-Baumwolle bekannt, auch das Nachbarland Südafrika war davon betroffen. Die KleinbäuerInnen sind durch die hohen Investitionskosten gezwungen, Kredite aufzunehmen. Bleibt der versprochene, höhere Ertrag aus, können sie das geliehene Geld weder zurückzahlen noch Saatgut für die folgende Saison kaufen. Statt zu helfen, gefährdet der gv-Anbau die Existenz der KleinbäuerInnen.