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Kind als Schaden - Pränataldiagnostik vor Gericht

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Blutuntersuchung im Labor www.swr.de

Patientin will Schadenersatz für krankes Kind

Wie die Berner Zeitung am 10.10.2018 berichtete, klagt eine Patientin auf 1 Mio Franken Schadenersatz wegen der Geburt eines Kindes mit einer Erbkrankheit. Sie hätte die Schwangerschaft abgebrochen, wenn vorgeburtliche Untersuchungen auf die Erkrankung des Embryos hingewiesen hätten. Der Arzt hätte aber solche vorgeburtliche Untersuchungen nicht durchgeführt. Der Arzt wiederum gibt an, die Patientin hätte geäussert, sie würde das Kind in jedem Fall zur Welt bringen, also hätte es keine Veranlassung gegeben, einen pränatalen Test durchzuführen. Das Gericht hat nun den Fall aus juristischer Sicht zu beurteilen und zu klären, ob ein Fehlverhalten des Arztes vorliegt und wie hoch ein möglicher Schaden sein könnte. Der Fall wirft aber auch gravierende ethische Fragen auf.

Kind als Schaden - Pränataldiagnostik führt zu Klagen

Seit mehreren Jahren müssen sich Gerichte mit den Auswirkungen vorgeburtlicher Untersuchungen auseinandersetzen. Die Geburt eines kranken oder behinderten Kindes galt früher als Schicksal. Heute werden solche Fälle zunehmend Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Zu einer ersten Entscheidung in der Schweiz kamen Berner Richter im Jahr 2013. In einem ähnlich gelagerten Fall mussten sie urteilen, ob wegen einer unterlassenen pränatalen Untersuchung und einer nicht abgebrochene Schwangerschaft durch die Geburt eines behinderten Kindes ein Anspruch auf Schadenersatz bestünde. Das Gericht hat dies seinerzeit verneint (Wrongful-Life-Klage). Klagen und Entscheide sind auch aus anderen Ländern bekannt.

Schwangere Frauen und ÄrztInnen geraten unter Druck

Durch immer niedrigschwelligere Angebote im Rahmen der pränatalen Diagnostik geraten die Beteiligten zunehmend unter Druck, auch alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Geburt eines kranken oder behinderten Kindes zu vermeiden. War bis vor einigen Jahren noch eine risikobehaftete Fruchtwasseruntersuchung zur Entdeckung einer Abweichung beim Embryo nötig, so gleicht der Einsatz von Bluttests inzwischen einer Rasterfahndung nach chromosomalen Abweichungen oder genetischen Defekten beim Embryo. Die Tests können in einer frühen Phase der Schwangerschaft durchgeführt werden und sollen vor allem Trisomien aufspüren, so auch das Down-Syndrom. Bluttests werden inzwischen breit angeboten und eingesetzt. ExpertInnen aus unabhängigen Beratungsstellen weisen darauf hin, dass diese Tests immer häufiger ohne ausreichende Aufklärung und Beratung durchgeführt werden. Insofern scheint der Berner Gerichtsfall eine Abweichung von der Regel zu sein. Nichtsdestotrotz geraten auch ÄrztInnen unter Druck, in jedem Fall alle pränatalen Testmöglichkeiten bei ihren PatientInnen auszuschöpfen, um mögliche Klagen auf Schadenersatz zu vermeiden.

Debatte über die pränatalen Angebote ist dringend nötig

Die gesellschaftspolitischen und ethischen Auswirkungen pränataldiagnostischer Testverfahren müssen neu disktutiert werden. In Deutschland bereitet der Bundestag eine breite Debatte zu den pränataldiagnostischen Bluttests vor. Dort steht man vor der Frage, ob die Krankenkassen diese Tests bezahlen sollen. In der Schweiz werden die Kosten (etwa 1000 Franken pro Test) dann von den Kassen übernommen, wenn ein Ersttrimestertest eine erhöhte Risikowahrscheinlichkeit für eine Trisomie beim Embryo zeigt.

Auch hierzulande muss eine breite Debatte lanciert werden, wie mit den Angeboten der pränatalen Diagnostik umgegangen werden soll. Es reicht nicht aus, wenn nur die Gerichte auf juristischer Ebene mit den möglichen Auswirkungen befasst sind.

biorespect wird daher die Entwicklung genau beobachten und weiter darüber informieren. 

> www.gen-test.info

> www.test-genetique.info

> www.appella.ch