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Südtirol: Apfellobby verklagt KritikerInnen

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KritikerInnen gegen Pestizideinsatz landen vor Gericht

Südtirol gilt als grösste Apfelanbau-Region in Europa. In den Apfelplantagen, die sich immer weiter ausbreiten im Land, werden massenhaft Pestizide eingesetzt. Spritzungen mit diversen Acker- und Pflanzengiften von bis zu 30 Mal während des Anbaujahres sind üblich. Kritik an dieser Praxis ist unerwünscht. Die Strategie der Apfellobby: Sie überzieht alle, die den Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen kritisieren, mit Prozessen. Diese können sich über Jahre hinziehen, viel Energien binden und mit der Androhung von hohen Schadenersatzforderungen verbunden sein. So soll der massive Pestizideinsatz in den Apfelplantagen ungestört weitergehen. 

In der Vinschgauer Gemeinde Mals wurde 2014 per Bürgerentscheid ein kommunales Verbot chemisch-synthetischer Pestizide für das Gemeindegebiet beschlossen. Damit stellten sich die MalserInnen gegen die Interessen der Landesregierung, des Bauernbundes und der Agroindustrie. Diese liessen nichts unversucht, der Gemeinde Steine in den Weg zu legen. Es wurden gar neue Gesetze erlassen, die die Gemeinde bremsen sollten. Der Initiator des Bürgerbegehrens und der Bürgermeister von Mals mussten sich als Privatpersonen in Bozen (Italien) vor Gericht verantworten. Zwar unterlagen die Kläger vor Gericht, aber sie zogen das Verfahren weiter vor höhere Instanzen, so dass bis zu einer endgültigen Urteilsverkündung noch weitere Jahre vergehen können. 

Angriff auf die Meinungsfreiheit

Im September 2017 erstattete Arnold Schuler, Landesrat für Landwirtschaft, Anzeige gegen Alexander Schiebel, Filmemacher und Autor des Buches «Das Wunder von Mals». Angezeigt wurde auch oekom-Verleger Jacob Radloff. An die 1600 Personen, hauptsächlich Apfelbauern aus Südtirol, schlossen sich der Anzeige an. Der Vorwurf lautet üble Nachrede zum Schaden der Südtiroler Landwirtschaft und der Provinz und bezieht sich auf Textpassagen in «Das Wunder von Mals», in der Alexander Schiebel den Pestizideinsatz in Südtirol und das Verhalten von Bauernlobby und Landesregierung kritisiert.

Gegen den Verleger und gegen mehrere Vorstandsmitglieder des Umweltinstitutes München wurde bis vor Kurzem wegen «Mittäterschaft beim Verbrechen der üblen Nachrede» ermittelt. Nach einer Anhörung entschied nun das Landgericht Bozen, die Strafverfahren gegen diese Personen zu beenden: Aus Mangel an Beweisen! Das Verfahren hat drei Jahre gedauert. 

Anklage erhoben wird weiter gegen den Filmemacher Alexander Schiebel und einen Mitarbeiter des Umweltinstitutes München. Beide müssen sich weiter vor Gericht verantworten. Die Anwältinnen der Angeklagten werden aber auch für diese beiden Angeklagten das Recht auf freie Meinungsäusserung erstreiten. 

biorespect unterstützt die Petition des Filmemachers Alexander Schiebel, die die Einstellung der Anklage verlangt. 

Wir haben noch wenige Exemplare des Dokumentarfilms «Das Wunder von Mals» und des gleichnamigen Buches auf Lager, die >hier bestellt werden können.  

> Hintergründe zum Prozess-1.jpg
> Die Pestizidrebellen von Mals - biorespect
> Oekom-Verlag
> Das Wunder von Mals
> Umweltinstitut München